Stellungnahme zum Montagsspiel gegen Leverkusen

Am Montag, den 9. April 2018, ist Bayer 04 Leverkusen zu Gast bei unseren Roten Bullen.  Es ist das zweite Montagsspiel für Leipzig und wir waren bereits bei der Premiere in Frankfurt vor Ort.  Schon kurz nach dem Spiel hat Carolin unsere Einstellung zu den Protesten dem MDR gegenüber deutlich gemacht.

Nun steht also das zweite Spiel an, diesmal im eigenen Stadion.  Da wir Teil der Fanszene in Leipzig sind und als Mitglieder im Fanverband Leipzig (FVL) unmittelbar die Diskussionen zum Thema „Boykott“ mitverfolgt haben, möchten wir noch einmal ganz klar Stellung beziehen.  Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen konnte man dieser Tage immer wieder lesen „wenn man mit etwas nicht einverstanden ist, soll man den Mund aufmachen“.  Das war zwar auf Spielansetzungen an einem Montag bezogen, trifft aber hier genauso zu.  Zum anderen hoffen wir, dass auch andere Fans, ob organisiert oder nicht, dem Wunsch nach lautstarker Unterstützung nachgeben und sich nicht von einer vermeintlichen, schweigenden Mehrheit beeindrucken lassen.

Wir haben den rasenballisten e.V. und dem FVL im Rahmen der Diskussionsrunde unseren Standpunkt schriftlich mitgeteilt.  Diesen möchten wir hiermit nun auch öffentlich teilen, wollen aber zuvor noch auf zwei Punkte eingehen:

  1. Warum beteiligt ihr euch nicht direkt an der Diskussion, statt hinterher zu motzen?

Das ist ganz einfach.  Am 21. März haben die rasenballisten e.V. zu einer Diskussion für den 27. März eingeladen.  Es gab vor allem im März einige Termine rund um das Vereinsleben und die Unterstützung von RB.  Daher war es uns terminlich einfach nicht möglich, so kurzfristig an diesem Abend teilzunehmen.  Trotzdem unterstützen wir den offenen Diskurs und haben daher zumindest schriftlich unseren Standpunkt geteilt (siehe unten).

  1. Die Mehrheit (in Sektor B) hat sich für den Boykott entschieden. Könnt ihr das nicht akzeptieren?

Ob jetzt eine Mehrheit in Sektor B für oder gegen den Boykott ist, wäre sicher ein streitbares Thema.  Aber darum soll es nicht gehen.  RB Leipzig hat vier (!) Fan-Sektoren und nicht nur einen.  In jedem Spiel gibt ein Großteil der Zuschauer alles.  So auch unser Verein, der über das gesamte Stadion verteilt ist.  Man könnte es als anmaßend bezeichnen, den Fokus nur auf den einen Sektor zu legen – wir sind alle Leipzig.  Natürlich ist es utopisch zu glauben, dass man alle mit einbinden kann.  Aber die Formulierungen „Mehrheit“ und „aktive Fanszene“ fördern kein Miteinander.

Hier nun der Text, den wir direkt mit den rasenballisten e.V. und dem Fanverband Leipzig geteilt haben.  Dazu möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass es am 9. April nicht um irgendeine Begegnung geht.  Es stehen noch sechs Spieltage an und RB Leipzig trifft auf Platz Vier stehend auf einen direkten Konkurrenten um den Einzug in die Champions League – oder überhaupt den europäischen Wettbewerb.  Wir spielen zu Hause und das sind genau die Spiele, die am Ende den Unterschied ausmachen.  Eine solche Begegnung mit einem Stimmungsboykott zu belegen, ob eine Halbzeit oder eine Woche, kann niemals der richtige Weg sein.

Hier unser Standpunkt zum Diskussionsabend „Montagsboykott“:

Hallo rasenballisten, 

Wir begrüßen eure Initiative, wichtige Themen im Vorfeld gemeinsam mit anderen Fangruppen und dem FVL zu diskutieren.  Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung “gemeinsam für RBL – für Leipzig”.  Leider ist es uns aus terminlichen Gründen nicht möglich, persönlich durch einen Vollzahler anwesend zu sein.  Trotzdem möchten wir unsere Meinung zum Thema “Montagsspiel” mitteilen und schreiben euch daher per E-Mail ein paar Zeilen.  Gerne könnt ihr uns direkt oder stellvertretend über den Fanverband jederzeit kontaktieren.

So ärgerlich eine Aufteilung der Spieltage ist, so wenig sinnvoll erachten wir einen Boykott gegen diese oder andere Spiele.  Unsere Mannschaft und die Unterstützung auf sportlich faire Weise steht für uns immer im Vordergrund, ganz besonders in der Endphase der Saison.  Als Verein, der ganz klar die Ambition hat regelmäßig auf europäischer Ebene aktiv zu sein, sind Spiele unter der Woche sowieso Alltag.  Und wie hieß es doch kurz vor dem ersten, offiziellen Montagsspiel der Bundesliga überhaupt: Leipzig ist der erste (?) Verein, der in einer Saison an allen Wochentagen ein Pflichtspiel hatte.  Das muss man auch erst einmal schaffen.  Ähnlich verhält es sich ja mit der Anstoßzeit der Europa League.  Ob nun dort um 21:05 Uhr oder 20 Minuten vorher an einem Dienstag oder Mittwoch in der Champions League – das macht keinen großen Unterschied.

Das soll aber nicht heißen, dass man kein Zeichen setzen darf.  Wir waren in Frankfurt selbst vor Ort und auch wenn der Ansatz möglicherweise kreativ war, so konnten wir die Umsetzung nicht unterstützen.  Das hat aus unseren Reihen Carolin auch in einem Interview gegenüber dem MDR noch einmal verdeutlicht.  Einzig eine kreative Art den Fokus auf das Thema zu legen wäre denkbar.  Wir erinnern uns da auch an das Kommentar von Ralf Rangnick im Rahmen der Einladung zum FVL, als er sich über die Rufe “wir wollen euch kämpfen sehen” irritiert gezeigt hat.  Sein Wunsch war, es auf “typische Leipziger Art zu äußern, wenn man mal unzufrieden ist”.  Und gerade die rasenballisten sind doch schon fast traditionell bekannt dafür, immer wieder kreativ aktiv zu sein.  Im “schlimmsten” Fall sind es Banner, die Sprüche teilen wie “Montagsspiel war unsere Idee”, “Jammer nicht über Montage, nimm ne Paracetamol” (Bezug auf Bayer), “Für Montagsspiele und 4-Tage-Woche”, “Montagsspiele? Fangehalt aufstocken!” oder gerne eine Adaption des Liedes “Wie sind Schweine, rote Bullenschweine – wir lieben Montagsspiele und sind mit dem Porsche hier” (wobei das auswärts besser passt).

Eine Sache sei aber ergänzend erwähnt: Beachtet man, dass gerade die Vereine am längsten Hebel für diese Thematik sitzen, schlagen wir vor, das Thema mittelfristig direkt mit der Vereinsführung im Gespräch zu thematisieren.  Den Standpunkt und auch Gründe aus Sicht der Fans zu übermitteln.  Daraus ergibt sich, dass wir seitens des Vereins ebenso offene Kommunikation erwarten.

Abschließend noch einmal vielen Dank für euer Engagement!

Mit besten Grüßen,

Die Vollzahler e.V.

3 Kommentare

    1. Glücklicherweise darf da jeder eine eigene Meinung haben 🙂 Und da wir gegen Argumente wie “Schwachsinn” nur schwer ankommen, lohnt sich eine Diskussion an dieser Stelle wohl kaum.

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